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Karin Rezewski

 
Boxerzucht im Wandel der Jahre; 2004 (Teil 1)
copyright © Karin Rezewski
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bullenbeiser
Weißer Bulldog
Mühlbauer's Flocki
Meta v.d. Passage
Gigerl
Rolf v. Vogelsberg
Rolf Walhall
Milo v. Eigelstein
Cäsar v. Deutenkofen
Sigurd v. Dom

Wenn wir einen Boxer sehen und feststellen wollen, ob es sich um ein gutes Exemplar der Rasse handelt, setzen wir uns mit dem Rassestandard auseinander. Die Rassekennzeichen bilden die Grundlage für die Existenz und Entwicklung der Boxerzucht. Sie sind daher für den Züchter das A und O bei der Zuchtarbeit.

Die grundlegenden Merkmale des Standards sind seit Anbeginn der Boxerzucht vor etwa einhundert Jahren festgelegt und bis heute unverändert gültig. Nur die Größenmaße wurden von anfänglichen 45-55 cm Schulterhöhe auf die heute gültigen Maße von 57 – 63 cm für Rüden und 53-59 cm für Hündinnen heraufgesetzt. Die Rassekennzeichen haben überall In der Welt Gültigkeit. Wo immer wir auch hinkommen, der Boxer wird in der ganzen Welt, auf allen Kontinenten nach denselben Vorgaben gezüchtet. Inwieweit die Rasseziele herreicht werden, hängt von der Geschicklichkeit des Züchters und von der Substanz der Zuchtpartner ab.

Mit den folgenden Bildern möchte ich versuchen, in erster Linie die Vorzüge unseres Boxers herauszustellen und gleichzeitig die Rasseentwicklung in den mir wichtig erscheinenden Punkten und Hunden aufzuzeigen. Es wird keine chronologisch vollständige Aufzählung sein, vielmehr möchte ich die Entwicklung aufzeigen, wie ich sie in den 5O Jahren meiner Zugehörigkeit zum Boxer Klub erlebt habe und wie ich die ersten 5O Jahre die Boxerzucht vorwiegend aus Archiven des BK sehe.

Die beiden ersten Bilder zeigen Boxer, wie wir sie heute kennen, mit den anzustrebenden Merkmalen in guter Harmonie. Der Rüde vereint Substanz mit Eleganz, Festigkeit und Geschlossenheit, Stabilität in Rücken, Vor- und Hinterhand – typische Gebäudemerkmale der Rasse. Es kommt natürlich nicht nur auf den charakteristischen Kopf an, wenn wir von einem typischen Boxer sprechen. Die Gesamterscheinung prägt die Rasse. Der Kopf setzt dem Ganzen das I-Tüpfelchen auf.

Aus der Anfangszeit wird berichtet, dass der Grundstock der Boxers durch Kreuzungen genetisch völlig unbekannter Ausgangsstämme des kleinen Bullenbeißers mit der englischen Bulldogge gelegt wurde. Die große Wegbereiterin und Förderin der Rasse, Frau Stockmann betont, dass viele Hunde im ersten Zuchtbuch mit unbekannter Abstammung registriert wurden, bei denen nicht mehr festzustellen war, wie viel Bulldogblut bei diesen Tieren mitgeflossen ist. Im Band I des Zuchtbuches wurden 2ll Tiere eingetragen, davon waren 46 Weiße oder Schecken, das sind 2l% ! Aus den vielen verschiedenen Typen musste der richtige Typ herausgefunden werden. Es gab gelbe, gestromte, gescheckte oder weiße, plumpe oder leichtgebaute, kurzbeinige und lange Typen. Viele hatten Spaltnasen. Nicht was der Boxer damals war, sondern was er in Zukunft sein sollte, was man im Standard l9O5 konzipiert hatte, musste man sich vorstellen. Der Boxer sollte ein schöner, eleganter Familienhund werden, frei von jeder abstoßenden oder gar furchteinflößenden Hässlichkeit.

Vergleichen wir den kleinen Bären- oder Bullenbeißer und den Englischen Bulldog. Wir erkennen, was man zur Hervorkehrung des Boxertyps vom Bulldog brauchte, das war der Stirnabsatz und der aufgewölbte Unterkiefer, das Kinn. In erster Linie mussten diese Merkmale fixiert werden, Dieses machte eine straffe Inzucht auf ein paar wenige Ausgangstiere notwendig.

Mit dieser Zuchtmethode will man die angestrebten Merkmale möglichst reinerbig im Genpool fixieren. Es können plötzlich aber auch Eigenarten zutage treten, die wir gar nicht wollen.

So sind wir wenn wir mit i Kreuzungen von Zuchtstämmen unbekannter Herkunft Inzucht betreiben, gegen böse Überraschungen nie gefeit. Die häufigsten Mängel in der Zucht des Boxers sind Hasenscharten, Gaumenspalten und Hodenfehler. Sie werden seit Anbeginn der Zucht bis zum heutigen Tage rezessiv in der Rasse mitgeschleppt.

Ebenfalls erweist sich die steile Hinterhand, wie sie der Rüde MÜHLBAUERS FLOCKI aufwies, als ein sehr hartnäckiges Übel des Bulldogerbe.

FLOCKI hat einen festen Platz in der Geschichte des Boxers. Er ist historisch wichtig, weil er der erste Boxer im deutschen Zuchtbuch war und l895 als erster Boxer auf einer Ausstellung in München in einer Versuchsklasse vorgestellt wurde.

Schon sehr ansprechend waren seine gut gelungenen Kopfproportionen, die ihm einen guten Ausdruck gaben, Seine Mutter war ALTS SCHECKIN. Verglichen mit seinem Vater, dem weißen Bulldog TÖNISSENS TOM, wies FLOCKI eine gerade Front mit guter Vorderarmlänge auf. Der Bulldog TOM war in der damaligen Boxerzucht ebenso wenig wegzudenken wie TOMS Enkeltochter META VON DER PASSAGE: Es ist schwer vorstellbar. Dass diese lange Hündin mit ihrem weichen Rücken und ihrer lockeren Vorhand eine Anzahl für die

Zucht bedeutender Hunde hervorgebracht hat. Sie war wie ihre Eltern weiß. „ META„ gilt als Stammmutter unserer sämtlichen Boxer, sie wurde zum Meilenstein der Boxerzucht.

META hatte l9Ol den gestromten Rüden GIGERL geboren. GIGERL war ein verhältnismäßig kleiner Hund, hatte aber schon ein markantes Kopfprofil. Er wurde ein gefragter Deckrüde. Als einer der ersten Sieger in der Rasse sorgte er für eine Verbreitung eines guten Kopftyps, er konnte die Weißen etwas zurückdrängen.

METAS Sohn HUGO V PFALZGAU brachte über CURT V PFALZGAU mit einer Enkelin von GIGERL den linienschönen ROLF V VOGELSBERG. ROLF hatte als einer der ersten Rüden ein Schultermaß von 59 cm, auch zeigte er als Boxer des gestromten Farbschlages eine gute Harmonie zwischen Vor- und Hinterhand. ROLF war züchterisch besonders wertvoll, er legte den Grundstock für die spätere, weltweite Vorherrschaft der Boxerzucht VON DOM:
Aus Frau STOCKMANNS Berichten geht hervor, dass es immer zwei Typen gab. Die gelben Boxer hatten ein eisenfestes Gebäude und Wucht, die gestromten hatten die typischen Köpfe und den größeren Adel., aber auch den hochgezogenen Rücken und die wenig gewinkelte Hinterhand. CH. ROLF V VOGELSBERG und sein Sohn CH ROLF WALHALL waren hier eine Ausnahme, vor allem ROLF WALHALL war im Rücken und in der Hinterhand sehr kräftig. Die beiden Rüden beherrschten die Zucht während des ersten Weltkrieges, bis ROLF V VOGELSBERG zusammen mit seinem Herrn PHILLIP STOCKMANN in den Krieg musste und die Jahre für den Hundesport in Deutschland hart wurden. In den letzten drei Kriegsjahren wurden nur 23O Boxer eingetragen.

Bei Kriegsende war der große Widersacher von ROLF V VOGELSBERG, der Sieger aller Sieger MILO V EIGELSTEIN eingegangen, ROLF kehrte zurück und holte sich elfjährig kurz vor seinem Tod noch den Siegertitel über MORITZ V GOLDRAIN hatte ROLF WALHALL einen bemerkenswerten Rüden des gestromten Farbschlages gebracht, CÄSAR V DEUTENKOFEN. „CÄSAR“ sollte sich als sehr guter Vererber erweisen. Sein positiver Zuchteinfluss wurde am deutlichsten, als Anfang der Dreißigerjahre einer der größten Zuchtrüden aller Zeiten, CH SIGURD V DOM, in Erscheinung trat. „ SIGURD“ war der Enkel einer Halbgeschwister-Paarung auf „CÄSAR“.

Bevor ich zu der größten Boxerdynastie aller Zeiten, dem ZWINGER VOM DOM komme, möchte ich noch einige Daten einfügen, die aus der zwanziger Jahren für die Zucht in Deutschland wichtig waren. Um die großen Lücken des ersten Weltkrieges zu schließen, konnten l92l ein Jahr lang Boxer ohne jeglichen Abstammungsnachweis in das deutsche Boxerstammbuch eingetragen werden, was sich sicherlich nicht vorteilhaft für die Reinzucht ausgewirkt hat. l925 wurde beschlossen, keine schwarzen und weißen Boxer mehr einzutragen, l926 wurden auch die Schecken-Boxer mit Zuchtverbot belegt.

Im Jahr l924 erreichte der Klub ein langersehntes Ziel, der Boxer wurde als Diensthund anerkannt. Damit wurde gleichzeitig seine Größe den Diensthundrassen angeglichen und auf 6O cm für Rüden festgesetzt. Einige Boxerfreunde, die die Beliebtheit des Boxers und seine Verbreitung in erster Linie seinen glänzenden Eigenschaften als Familienhund zugeschrieben hatten, standen der Anerkennung des Boxers als Diensthund eher skeptisch gegenüber. Die Größe der damaligen Boxer reichte nur bis höchstens 55 cm Schulterhöhe. Allgemein vertrat man die Meinung, die kleinen und mittleren Hunde seien die besseren Typträger. Auch Frau Stockmann hat sich einmal dahingehend ausgesprochen, sie hätte mit ihren kleineren Hündinnen gute Zuchterfolge gehabt, wenn sie diese zum Ausgleich mit größeren Rüden angepaart hätte. Größe dürfte man sich aber nie auf Kosten des Typs erkaufen !

 
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© Karin Rezewski 2005, created by Dunja