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Karin Rezewski

 

Boxerzucht im Wandel der Jahre; 2005 (Teil 2)
Nach Besuch der ATIBOX Weltausstellung 2OO6 in Lissabon "ÜBERARBEITET"
copyright © Karin Rezewski

 
Yugo della Cadormare
Standing-O Galaxie Gasheron
Rognerud's Ingar
Brahms v. Sapho's Hoeve
Redmol Rio Rita
Yuhe dels Segadors
Future v. German Dream
Lustig v. Dom

Seit Mitte der Siebzigerjahre, als die Rasse nach dem zweiten Weltkrieg in der ganzen Welt ihren ersten Boom mit Rekordergebnissen bei Zuchtbuch-Eintragungen und Best in Show-Siegen erlebte, habe ich in den verschiedenen Ländern beobachtet, dass die Züchter in ihrer überschäumenden Begeisterung spezifische Eigenschaften geradezu übertrieben und dadurch die Rasse in nachteilige Extreme getrieben haben.

Wenn wir zurückschauen, ist die gesamte Erscheinung des Boxers in der Zwischenzeit zweifellos von dem Bild der vier Prototypen SIGURD, LUSTIG, UTZ und DORIAN abgewichen. Ich konnte Trends verfolgen zu Boxertypen, die offensichtlich von dem Standard dieser vier großen Rassevertreter abgedriftet sind.. Wie mir scheint, liegt dieses in der unterschiedlichen Beurteilung und Bewertung der Rassemerkmale begründet. Von Deutschland aus dominiert der durchweg kurze Boxer die europäische Szene. Wenn wir den Standard als das „A“ und „O“ der Rasse betrachten, ist dieser Typ ebenso wenig passend wie der leichtere nordamerikanische Hund, der über Nord- und Südamerika, Südafrika, Australien, England und Skandinavien eine weite Verbreitung gefunden hat. Hier und da habe ich glücklicherweise auch Beispiele für den insgesamt gut balancierten Boxer gefunden, aber leider waren diese Tiere in der Minderheit.

Wie kann es zu einem Auseinanderdriften der Phänotypen kommen, was im Vergleich zu anderen Rassen beim Boxer besonders ausgeprägt ist ? In Anbetracht der Entwicklung und der zum Teil unbekannten Herkunft der Rasse sind die Gründe, warum wir wichtige Merkmale so leicht verlieren, einleuchtend. In der Regel bekommen wir Probleme, wenn wir uns zu sehr in Einzelheiten verlieren. Außerdem gewöhnt sich das Auge schnell an das Erscheinungsbild, das wir ständig vor uns haben – egal mit welchen Vorzügen oder Mängeln es ausgestattet ist. Schließlich gelangen wir an den Punkt, wo wir glauben, dass das Erreichte richtig ist, und dann streben wir nur noch danach, eine einheitliche Linie zu halten. Ohne Vergleiche mit anderen Boxern anzustellen, können wir aber schwer erkennen, ob wir damit den korrekten Typ Boxer zum Ausdruck bringen.

Das Streben nach Übertreibungen scheint bis ins Unendliche weiterzugehen. Anscheinend finden alle Rasseliebhaber Gefallen an dem übertriebenen Boxer, entweder an dem amerikanischen oder an dem europäischen Typ. Der „Haken“ ist, dass in jedem Fall das Gegenüber abgelehnt wird und selbst die Richter nicht stark genug sind, die Augen nach beiden Richtungen hin zu öffnen. Die Unterschiede sollten erkennbar sein. Leider machen die Klubs in den verschiedenen Ländern wenig Gebrauch von dem Richteraustausch. Folglich wird der Erfahrungsaustausch begrenzt, was wiederum nicht dazu beiträgt, einheitliche Richtlinien auf zwingende Rassemerkmale darzulegen. Andererseits sollten sich die Züchter und die Richter voll bewusst sein, dass Details und die Bewertung von kleineren Mängeln nicht fokussiert werden dürfen, denn in dem Fall würden wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.

Bremen, 3l/O5/O6
Karin Rezewski

 
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