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Karin Rezewski

 
Boxerzucht im Wandel der Jahre; 2004 (Teil 2)
copyright © Karin Rezewski
 
Sigurd v. Dom
Lustig v. Dom
Utz v. Dom
Dorian v. Marienhof
Check v. Hunnenstein
Bang Away of Sirrah Crest
Karlo v.d. Wolfsschlucht
Danilo v. Königssee
Heiner v. Zwergeck

Einer, der eine gute Größe, Kraft und Typ in die Zucht brachte, war IVEIN V DOM, der Vater von „SIGURD“. „IVEIN“ züchtete Frau STOCKMANN l925 aus ZWIEBEL V DOM, einer Enkelin von ROLF V VOGELSBERG, nach BUKO V BIEDERSTEIN. “BUKO“ ging in sehr enger Linie auf ROLF WALHALL zurück.

BUCKOS Vater war CÄSAR V DEUTENKOFEN; der von dem ROLF WALHALL-Sohn MORITZ V GOLDRAIN abstammte. BUCKOS Mutter und MORITZ waren Geschwister.

IWEIN war ein großer Rüde mit enorm tiefer Brust und typvollem Kopf, er hatte vor allem den richtigen breiten und kräftigen Fang. FRAU STOCKMANN schrieb, dass ihn sein aggressives Wesen trotz seiner guten Punkte um alle Ausstellungserfolge gebracht hat. Er war der einzige Boxer, der als Nichtsieger zwei Sieger zeugte : THEA V ISEBECK und SIGURD V DOM.

SIGURD war im Kopf nicht ganz wo edel wie sein Vater, aber im Gebäude war er ein Modell. Mit Sigurd wurde ein Rüde geschaffen, der alles bis dahin Erreichte weit übertreffen sollte. SIGURDS Großväter auf beiden Seiten waren Söhne von CÄSAR V DEUTENKOFEN; er war also ein Enkel einer Halbgeschwister-Paarung. In der Geschichte unserer Bozucht hat sich bis heute immer wieder diese Zuchtmethode als erfolgreich herausgestellt, wenn man einen erwiesenermaßen gut vererbenden Rüden hierfür einsetzt. Nicht nur CÄSAR sondern etliche Beispiele sprechen dafür .SIGURD bestach durch die komprimierte Erbkraft von CÄSAR, die er in überragender Art und Weise an seine Nachkommen weitergab. Weltbekannt ist sein Einfluss. nicht nur auf die Boxerzucht in Deutschland sondern vor allem hat er einen enormen Einfluss auf die Boxerentwicklung in den USA genommen. Er war noch fünfjährig dorthin verkauft worden.. Für SIGURDS große Erbkraft sprechen 32l Sieger, die in den Jahren l94O bis l947 auf ihn in den USA zurückgingen.

In Deutschland hatte SIGURD auch ZORN v DOM hervorgebracht. ZORN ging nicht nur väterlicherseits über SIGURD auf CÄSAR V DEUTENKOFEN zurück, sondern auch mütterlicherseits. Aus der Verpaarung der Halbgeschwister, ZORN und ESTA V D WÜRM, brachte FRAU STOCKMANN l933 schließlich den einmaligen LUSTIG V DOM hervor, der als der größte Boxer aller Zeiten in die Geschichte unserer Rasse eingehen sollte. Heute gibt es wohl keinen Boxer, der nicht auf LUSTIG zurückgeht .LUSTIG WAR EIN HERRLICHER Boxer mit den besten Typeigenschaften. Bei guter Substanz zeigte er Schnitt und Adel, dazu einen vollendeten Modellkopf mit schlankem Oberkopf und enormem Fang.

Mit diesen beiden legendären Rüden SIGURD und LUSTIG gehört FRAU STOCKMANN zweifellos der größte Anteil an dem absoluten Zuchthöhepunkt der Dreißigerjahre. Vergleichen wir die Hunde dieser Zeit mit den Ursprungstieren, so war der Fortschritt der bedeutendste, den die Rasseentwicklung jemals erreicht hat. Aus dem kleinen plumpen Boxer mit dem unausgeglichenen Kopf war ein großer, eleganter Hund geworden.

Wie schon sein Großvater SIGURD war LUSTIG nach Amerika verkauft worden. Beide hatten bereits ihre Reputation als größte Ausstellungshunde und Zuchtrüden in Europa begründet. Während SIGURD in den USA noch verhältnismäßig wenige gute Hündinnen zur Verfügung hatte, brachte es LUSTIG auf 4l Sieger-Nachkommen. LUSTIG blieb auch in Amerika ungeschlagen, ein stolzer Hund mit prächtiger, nobler Haltung bis ins hohe Alter von l2 Jahren.

UTZ V DOM, der Bruder von LUSTIG aus einem späteren Wurf, spielte in Amerika eine gleich bedeutende Rolle wie LUSTIG. Nachdem UTZ noch kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach Amerika gekommen war, brachte er in einem Jahr aus 6 verschiedenen Hündinnen 9 Champions, was schon für sich selbst spricht. 37 direkte amerikanische Sieger und viele bedeutende amerikanische Zuchtrüden stammen von ihm ab.

Die Boxerzucht auf beiden Seiten des Atlantik erreichte einen phänomenalen Hochstand. SIGURD, LUSTIG und UTZ V DOM sowie der ebenfalls nach USA exportierte DORIAN V MARIENHOF sorgten von Amerika aus für eine weltweite Verbreitung der Rasse. DORIAN, der einzige gestromte in diesem Quartett überragender Boxer hatte Deutschland l936 bereits im Alter von zwei Jahren verlassen. Im Ring wie LUSTIG ungeschlagen, war er ein mittelgroßer Rüde, sehr typisch und edel in seiner Gesamterscheinung. Sein perfektes Gebäude und beeindruckendes Gangwerk machten in USA Geschichte. Obwohl er nicht so oft wie LUSTIG Zuchtverwendung fand, stammen 37 direkte amerikanische Champions von ihm ab. DORIANS Mutter war eine Tochter von CHECK v. HUNNENSTEIN; der von dem dominanten CÄSAR v DEUTENKOFEN abstammte. DORIANS Vater war XERXES v. DOM, ein Sohn von SIGURD: Mütterlicherseits ging XERXES auch auf CÄSAR zurück Planvolle Linienzucht mit Nachkommen von DORIAN, LUSTIG und UTZ verhalfen der amerikanischen Boxerzucht in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem gewaltigen Siegeszug üb er die ganze Welt. Bereits Anfang der Dreißigerjahre hatte CH. V. HÜNNENSTEIN den Boxer in Amerika ins Rampenlicht gebracht. Heutzutage nehmen amerikanische Boxer auf den v erschiedenen Kontinenten eine bevorzugte Stellung ein. In Südamerika, Südafrika, Australien , in den skandinavischen Ländern und in England werden immer wieder neue amerikanische Zuchtprodukte herausgebracht. Schon l955 hatte CH BANG AWAY OF SIRRAH CREST den phänomenalen Rekord von einhundert Siegen als Bester Hund der Ausstellung aller Rasse erreicht. Die außergewöhnliche Popularität des amerikanischen Boxers ist BANG AWAY genauso zuzuschreiben, wie die Vorherrschaft der deutschen Boxerzucht den vier Großen SIGURD, LUSTIG, UTZ und DORIAN gehört. Ohne diese Rüden hätte der Boxer nicht den Erfolgt in der Welt erlangt.

Mit der Machtergreifung der Nazis war die Hundezucht in Deutschland gewissermaßen Staatsangelegenheit geworden. Die Zuchtbestimmungen waren dahingehend gestrafft, dass mindestens ein Elternteil ein Ausbildungskennzeichen haben muss, die Welpenzahl wurde auf 6 begrenzt und Sieger konnte nur noch ein Hund mit Schutzhundprüfung werden. Ab l94l mussten weiße und Scheckenboxer sofort nach der Geburt getötet werden. Hodenfehler wurden mit Zuchtverbot belegt.

Um in Deutschland in den Not leidenden Kriegsjahren an Futtermittel-Zuteilungen für Hunde heranzukommen, wurde die Körung eingeführt. Es sollten solche Hunde herauskristallisiert werden, die zur Elite-Zucht geeignet sind. In diesem Zusammenhang wurde l943 von dem Präsidenten des Reichverbandes für Hundewesen folgendes aufgerufen: Jeder Besitzer einer wesensfesten Hündin der Gebrauchshundrassen muss diese unbedingt von einem wesensfesten, angekörten Rüden decken lassen und einen Wurf züchten. Der RH wird in weitgehender Weise bei Fütterung und Abnahme der Welpen helfend eingreifen. Es darf nicht vorkommen, dass auch nur eine Hündin in diesem Frühjahr nicht einen Wurf bringt. Bedenke jeder, dass Diensthunde das Leben deutscher Soldaten erhalten, ihren Dienst erleichtern und dem Feind Schaden zufügen. Wer dieses Gebot nationaler Pflicht nicht erfüllt, gehört nicht in unsere Reihen. Jeder achte auf seine Sportfreunde und berate sie zum Besten der Waffen-SS, der Polizei und der Wehrmacht.

Nach l945 konnte die Boxerzucht, die zum Kriegsende zum Erliegen gekommen war, nur sehr langsam wieder in Schwung gebracht werden. Teilweise war sie noch auf einem hohen Stand. Doch es wurden in der schweren Nachkriegszeit, in der die Bevölkerung unter großem Hunger Not litt, die besten Boxer ins Ausland verkauft. Auch wurde viel nur wegen der begehrten Zigarettenwährung der Besatzungsangehörigen mit minderwertigen Tieren gezüchtet. l948 wurden 848 Würfe mit 3684 Welpen eingetragen. Man fand wenig Möglichkeiten, sich zu orientieren. Viele verloren auch den Überblick, wo man mit der Zucht stand.

Zu allem Übel wurde Anfang der fünfziger Jahre der Versuch unternommen, die Weißerbigkeit aus der Zucht zu verbannen. Weiße Abzeichen waren im Ausstellungsring verpönt. Die Kampagne sollte sich nicht vorteilhaft auf den Boxertyp auswirken. Man schaffte es natürlich verhältnismäßig schnell, den Anteil der Weißen auf einen niedrigen Stand zu bringen. Die mit Weißerbigkeit belasteten Rüden mussten einfach gemieden werden. Es machte sich aber bald ein Qualitätsabfall bemerkbar. Viele Hunde verloren an Typ, sie wurden substanzarm und feinknochig, sie zeigten einen fremdartigen Ausdruck vor allem durch schwach pigmentierte Masken.

Wie zu verfolgen ist, wurde die weiße Farbe in der Ursprungsmasse des Boxers von Anbeginn verankert. Auch die Erfahrung hat uns immer wieder gezeigt, dass die Welpen mit Weißbelastung nicht nur intensiver pigmentiert sind, sie sind ausdrucksvoller, substanzvoller und stärker im Knochenbau als ihre einfarbigen Geschwister. Hier haben wir es offenbar mit Koppelungen der Gene zu tun. So gesehen befindet sich die Boxerzucht ständig auf einer engen Gratwanderung. Einerseits sollen die vom Standard geforderten Kopfmerkmale Stirnabsatz und Vorbiss, die Vitalität und intensive Pigmentierung erhalten werden und auf der anderen Seite will man die anderen mit dem Bulldogblut verknüpften Merkmale wie übertrieben schwere Köpfe und lockere Gebäude meiden.

Fatalerweise sind gesundheitliche Probleme wie Atemschwierigkeiten und Störungen der Mobilität oft dann zu beobachten, wenn die Typmerkmale des Boxers ins Extrem getrieben werden. Es liegt an der Geschicklichkeit der Züchter, hier eine Balance zu finden. Das heißt einerseits soll die Verbreitung des Weiß in Grenzen gehalten werden und gleichzeitig sollen die im Standard geforderten mit der weißen Farbe offenbar gekoppelten positiven Typ-Merkmale des Boxers erhalten bleiben. Es liegt an der Geschicklichkeit der Züchter, dafür zu sorgen, dass die Ganzheit bezüglich Rassetyp, Gesundheit und Leistungsfähigkeit nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

 
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© Karin Rezewski 2005, created by Dunja