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Karin Rezewski

 

Das typische Gebäude und Gangwerk des Boxers
copyright © Karin Rezewski

 

Das Erscheinungsbild unseres Hundes wird zusammen mit seinem selbstsicheren Auftreten durch seinen ausdrucksvollen Kopf und durch seinen kompakten, linienbetonten Körperbau geprägt.

Um der von dem Rassestandard geforderten Ausgewogenheit zwischen den wichtigen Komponenten „ Kraft und Adel “ nahe zu kommen, müssen in der Konstruktion des Gebäudes grundlegende Proportionen gegeben sein. Die Länge soll der Widerristhöhe des Hundes entsprechen und seine Brusttiefe der Hälfte der Widerristhöhe. In diesen quadratischen Rahmen sollen markante Winkelungen der Vor- und Hinterhand gleichmäßig eingepasst sein. Voraussetzungen, die ein Gangwerk ermöglichen, das einen Gedanken an Anstrengung gar nicht aufkommen lässt.

Die Voraussetzungen für „wirksame“ Leistungen lassen sich in der Bewegung des Hundes am besten überprüfen. Sich fortbewegen heißt eigentlich fallen. Aber es ist ein kontrolliertes Fallen, wobei der Hals und die Vorhand den Körper anheben und als Steuerung der Bewegung dienen. Die Hinterhand hat hingegen die Aufgabe, ihm den erforderlichen mechanischen Impuls zur Fortbewegung zu geben. Ihre Antriebskraft wird über den Rücken nach vorn übertragen und von der Vorhand so elastisch wie möglich aufgefangen, damit die Stöße auf den Boden gedämpft werden.

Für ein effektives Gangwerk fällt die Hauptarbeit der Schulter-Oberarm-Winkelung und der Kruppe zu. Schulterblatt und Kruppe sind bei korrekter Lagerung länger als bei steiler bzw. flacher Lage. Durch ihre größere Länge wird der Ansatz von langen und breiten Muskeln ermöglicht. Die langen Muskeln machen beweglich, die breiten erzeugen Kraft. Darüber hinaus wird eine größere Hebelwirkung erzielt, woraus ein elastischer Schritt und flach über den Boden kommende Gänge resultieren. Von der Seite erkennt man, ob die Schrittfolge ausgewogen ist. In dem Fall tritt die Hinterpfote dort auf, wo sich die Vorderpfote den Bruchteil einer Sekunde vorher erhoben hat. Je gleichmäßiger und ruhiger die Bewegung des Widerristes ( der höchste Punkt des Rückens ) ist, um so ausdauernder ist der Hund. Der Kopf wird dabei nach vorn gerichtet.

Da die gesamte Frontpartie nicht mit dem Knochengerüst sondern nur durch Muskeln mit dem Körper verbunden ist, muss sie möglichst ausgewogen in das Ganze eingebunden sein.
Damit eine gleichmäßige Spannkraft erzielt wird, sollen Schulterblatt und Oberarm gleich lang sein und in einem möglichst großen Winkel zueinander gelagert sein. Gewünscht werden 9O Grad, die weit verbreitete Winkelung des Schultergelenks beträgt lO5 Grad. Je straffer der Hals und die ganze Vorhand angelegt sind, um so wirksamer ist die Bewegung. Bei flach am Rippenkorb anliegenden Schultern bleiben die Ellenbogen genügend fest am Körper. Ein Boxer mit abgewinkelten Ellenbogen zeigt ebenso wie der zu breitbrüstige Hund nie die höchste Schnelligkeit und Ausdauer. Man sollte annehmen, je breiter und tiefer die Brust ist, um so besser wäre es. Aber eine allzu große seitliche Ausdehnung ist bei Tieren, die beweglich sein sollen, wegen der Gleichgewichtsverlagerung unerwünscht. Aus diesem Grund muss der Raum für Herz und Lunge durch eine gute Rippenwölbung erzielt werden. Der zu flache Rippenkorb und die Tonnenbrust stellen aus Konstruktionsgründen eine Behinderung dar, sie ist unerwünscht.

Fehlerhafte Abweichungen von der vorgeschriebenen Lage und Länge der einzelnen Knochen haben fehlerhaft entwickelte Muskeln und schlaffe Gelenkbänder zur Folge.

Bei einer steil angelegten Vorhand sind Schulterblatt und Oberarm verkürzt, Hals und Schritt wenig elastisch, Wendigkeit und Reichweite der Vorderläufe eingeschränkt. Die Muskulatur wird überbeansprucht und dadurch zu stark entwickelt. Auch die hinter dem Schulterblatt und hinter dem Oberarm liegenden Muskeln werden dick und kräftig, sie drücken die obere Hälfte des Schulterblatts vom Rippenkorb ab und die Ellenbogen heraus. Eine aufwendige Kraftverschwendung. Die gesamte Frontpartie steht nicht mehr genügend unter dem Körper sondern weit nach vorn gerückt, der Brustkorb hängt zwischen den Schulterblättern. Die obere und untere Linie sind nicht so fließend und schwungvoll wie bei einer besser gewinkelten Vorhand.

Eine steil gestellte Vorhand mit mangelnder Brusttiefe in Verbindung mit einer Überwinkelung der Hinterhand führt zu einem großrahmigen Gebäude, das die gewünschte Tiefe und Kompaktheit vermissen lässt. In der Bewegung versucht der Hund, die Behinderung durch viel Nachschub auszugleichen. Um die unterschiedliche Schrittlänge zwischen Vor- und Hinterhand zu kompensieren, reißt er seinen Kopf und die Vorderläufe hoch, um die Schwebephase der Schrittlänge der Hinterhand anzupassen. Ein derartig „ruderndes“ Gangwerk mag zwar spektakulär erscheinen, aber es ist uneffektiv.

Was das lange, schräg gelagerte Schulterblatt für die Vorhand bedeutet, ist das Becken für die Hinterhand. Es ist die Basis für die Anlage der Hinterhand und das Mittel für die Übertragung der Kraft aus der Hinterhand. Je länger und breiter das Becken ist, um so besser kann sich eine kräftige Muskulatur in der gesamten Hinterpartie entwickeln. Es wird der Ansatz eines breiten, muskulösen Oberschenkels ermöglicht, der passende Unterschenkel ist ebenso kräftig. Ein tief stehendes, stabiles Sprunggelenk, das bei kurzem Hintermittelfuß die größte Hebelwirkung entwickelt, schafft Kraft und Ausdauer. Wenn das Knie in Ruhestellung so weit nach vorn reicht, dass es eine vom Hüfthöcker zum Boden gezogene Senkrechte berührt, dann erreicht ein Bau in dieser Art die höchste Stabilität.

Bei übertrieben kurzem Gebäude finden wir häufig eine allzu wuchtige Vorderpartie in Verbindung mit einer schwach angelegten Hinterhand. Die einzelnen Hinterhandknochen sind in ihrer Länge nicht den Knochen der Vorhand angepasst, sie sind zu kurz. Die Hinterläufe dienen nur noch als Stützen des Körpers, der Bewegungsantrieb ist entsprechend schwach. Das Gebäude und Gangwerk des Boxers ist nicht balanciert.

Wenn der Hund vorn und hinten steil gewinkelt ist, kommen die Gänge zwar gleichmäßig, aber die Bewegung ist wenig elastisch. Schwache, pendelähnliche Aktionen sind die Folge, wobei die Pfoten knapp vom Boden abheben und die Läufe ohne Abfederung auf den Boden stoßen. Eine mangelhafte Winkelung wird in der Bewegung besonders deutlich. Der Hund läuft steif, vorn schwer in den Boden stampfend mit tief liegendem Widerrist und hinten wird die Kruppe beim Strecken der Hinterhand hoch nach oben gestoßen - die Kraft verpufft

Für eine optimale Kraftübertragung aus der Hinterhand auf die Vorhand ist eine breite, stramme Rücken- und Lendenpartie erforderlich. Ein korrekt angelegtes Becken ist Grundvoraussetzung. Kraft gepaart mit Beweglichkeit kann aber auch im Rückgrat nur mit einem gewissen Grad an Flexibilität erreicht werden. Deshalb sind leicht nach oben gewölbte Lenden eher ein Vorzug. Der lange, mehr noch der hinter dem Widerrist eingesenkte Rücken begünstigt die Seitwärtsschwankungen des Körpers, man spricht von Rückenausgleich, wodurch die gleichmäßige Vorwärtsbewegung behindert wird. Das Gegenteil, der aufgezogene Rücken, ist ein Zeichen großer Schwäche, die auf eine mangelhafte Kraftentwicklung aus der Hinterhand zurückzuführen ist. Alle drei Fehler des Rückens beeinträchtigen das Gangwerk und die Leistungsfähigkeit des Hundes erheblich.

Um die funktionale Gesundheit des Boxers weitgehend abzusichern, müssen wir dafür sorgen, dass eine möglichst harmonische Abstimmung der einzelnen Standard-Anforderungen untereinander erreicht wird. Sie gibt unserem Hund nicht nur den rassetypischen Körperbau und Bewegungsablauf, sie ist auch zweckmäßig.

Karin Rezewski, O7.lO.Ol

 
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