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Karin Rezewski

 

Auszug aus EBZ-Interview; 2004 (Teil 2)
genehmigt von Alexandra Gav, Eurozone Boxers

 
Witherford Hot Chestnut
Carlo v. Henningshof
Carlino v. Nassau Oranien
Teck del Colle dell'Infinito
David del Colle dell'Infinito
Perico du Val d'Europe

Welche gesundheitlichen Probleme hat die Rasse allgemein?
Das größte Problem ist KREBS in allen Bereichen.

Wie denken Sie über weiße Boxer?
Wir müssen mit ihnen leben.

Wie denken Sie über die Verbote zum Kupieren der Ohren und Ruten?
Für ältere Züchter wie mich, die ein Leben lang mit kupierten Ohren und Ruten verbracht haben, ist es sehr schwer, sich auf diese verrückten Gesetze einzustellen. Daher haben viele von uns aufgegeben. Was Deutschland anbetrifft, hat die Entwicklung schwer darunter gelitten. Viele guten Hunde fielen für die Zucht aus, gleichzeitig reduzierten sich die Wurfeintragungen und Klubaktivitäten. Persönlich bin ich mit dem etwas fremden Aussehen einig geworden - solange das Gesamtbild typisch ist und die kosmetischen Veränderungen übertünscht werden.

Glauben Sie, dass Gesundheitstests in der Boxerzucht nötig sind ? Begründung - Beispiele. Was versäumen wir, wenn wir sie nicht durchführen? Versäumen wir etwas, wenn wir einen wunderbaren Hund abweisen, der bei einem der Tests versagt hat?
Die verschiedenen Gesundheitstests können den Züchtern helfen, die Gesamtsituation zu bewerten. Meistens ist die Lage bei jedem Hund eine andere. Da die Genetiker erklären, dass wir nur zwei Fehler zur gleichen Zeit
bekämpfen können, müssen wir die zwei wichtigsten Defekte oder Mängel auswählen. Grundsätzlich würde ich sagen, sollte ein herrlicher Hund nicht abgewiesen werden, solange die Resultate als einigermaßen gesund zu bezeichnen
sind.

Finden Sie, dass sich die heutigen Aussteller sittlich benehmen und genügend Sportgeist zeigen? Wie lassen sich Ihrer Meinung nach die Aussteller von heute mit denen von früheren Jahren/Dekaden vergleichen? Haben sie anscheinend andere Ziele und Methoden oder nicht?
Jeder ist auf der Jagd nach dem großen Gewinn, es gibt keinen Unterschied zwischen Ausstellern von vor Jahren und solchen von heute. Es wird immer eine starke Konkurrenz geben. Aber was ich heutzutage nicht vertragen kann, ist das Benehmen der Leute im Ring, sie ignorieren die einfachen ethischen Verhaltensregeln. Es gibt überhaupt keinen Respekt und Sportgeist. Sie zögern nicht, ihr Missfallen gegenüber dem Richterentscheid heraus zu schreien oder ostentativ den Ring zu verlassen.

Welche charakterlichen Qualitätenmuß Ihrer Meinung nach ein guter Boxerzüchter haben?
Züchter und Richter brauchen Ausstellungen um herauszufinden, wie es um die Rasse steht. Durch das Vergleichen der Hunde lernen wir, zwischen guten und schlechten Punkten zu unterscheiden. Gewöhnlich sucht sich der Anfänger den großen Gewinner aus, es spielt keine Rolle, ob er ein gut gezüchteter Hund ist und was er schon alles produziert hat, egal ob er zur Ahnentafel und zu dem Aussehen der Hündin paßt. Ein guter Züchter sollte nach dem Nachwuchs des vorgesehenen Rüden planen. Deshalb sind Ausstellungen ein MUSS, besonders für Anfänger. Züchten ohne Ausstellungen können nur Einzelne, die an selbständiges Arbeiten mit Zuchtprinzipien gewöhnt sind .

Was empfehlen und raten Sie den jungen Züchtern, die erst jetzt zur Rasse gekommen sind?
Sie sollten Versuchen, von den Richtern zu lernen und den erfahrenen Leuten zuzuhören. Die „Schlaumeier“ meiden, durch Erfahrung lernen, ist die beste Empfehlung.

Wenn Sie die neue Generation Züchter und Richter betrachten, sind Sie um die Zukunft der Rasse besorgt?
Die neue Generation ist überzeugt, dass sie alles besser weiß und will die Erfahrung und den Rat der Generation der Vorgänger nicht suchen. Es scheint mir, dass es kein großes Interesse für die Rasseentwicklung gibt, das Ziel heißt GEWINNEN, egal wie. Unter diesen Umständen bin ich um die Zukunft besorgt.

Welches sind die fünf wichtigsten Dinge, auf die der heutige Boxerzüchter achten muss?
Die Boxerzüchter von heute sollten sich orientieren, ihre Hündin auf Standardanforderungen überprüfen und ihre Ahnentafel studieren. Wenn sie vom Äußeren und Wesen für gut befunden wird, sollten sie die Gesundheitstests durchführen. Leichte Abweichungen könnten toleriert werden. Auf der anderen Seite sollte ein Hund mit einem schwerwiegenden Defekt nicht für die Zucht eingesetzt werden.

Wie ist Ihre Prognose für die Rasse in fünfzig Jahren ab jetzt. Wie wird die Rasse entwickelt sein ? Fortschritt oder Rückgang? Glauben Sie, dass die „goldenen Jahre“ der Boxer vorüber sind oder warten sie auf uns in der Zukunft?
Die Rasse ist ständig in Fluss. Momentan ist die Phase nicht sehr ermutigend. Aber ich rechne damit, dass immer wieder gute Hunde auftauchen werden, die helfen werden die Situation zu verbessern. Die Anti-Hunde-Kampagne in allen Ländern ist sehr schädlich. Deshalb können wir nicht vorhersehen, was in 5O Jahren sein wird. Die „goldenen Zeiten“ der Dreiziger und Sechziger kommen nicht zurück - solange es am Horizont keinen LUSTIG oder HOT CHESTNUT gibt.

Mit der Erfahrung lernt jeder Züchter mehr über gewisse negative Merkmale wie Hasenscharten, Kryptorchismus, enge Nasenlöcher, schlechtes Wesen etc. und welche Linien oder Hunde zu speziellen Fehlern neigen. Einige Züchter ziehen es vor, diese Informationen diskret zu halten und nutzen sie zum eigenen Vorteil, während andere sich nichts daraus machen, ihre Funde mit anderen Züchtern zu teilen. Bitte, Ihre persönliche Meinung?
Es treten immer enttäuschende Resultate zutage. In Deutschland werden sie kontrolliert und veröffentlicht, so dass die Züchter sie nicht geheim halten können. Die einzige Gefahr bei dieser Verfahrensweise ist, dass die Neulinge sich zu viel auf diese Negativlisten konzentrieren, so dass sie leicht den Überblick über die Rasse verlieren, was Typverlust bedeuten kann.

Glauben Sie, dass Negativmerkmale wie Hasenscharten, Kryptorchismus, enge Nasenlöcher, schlechtes Wesen,Ausgabe von gesundheitlichen Überprüfungen komplett eliminiert werden können?
NEIN, wenn wir berücksichtigen, dass die Vorgänger Bullenbeißer und Buldogs von unbekannter Herkunft waren, können wir nur versuchen, die Mängel durch sorgfältige Planung einzugrenzen.

Wie stehen Sie zur „Zwingerblindheit“, wie können die Züchter diese Falle vermeiden?
Engstirnige Züchter wollen meistens nicht lernen, sie verlieren leicht das Auge für ihren eigenen Bestand. Sie können dieser Falle nur entgehen, wenn sie sich möglichst weit umschauen und andere Hunde mit ihren eigenen vergleichen. Ich befürchte, dass sich viel zu viele in dieser Falle befinden.

Sich mit Boxern beschäftigen, kann manchmal herzzerbrechend sein, teuer - ein sehr anspruchsvolles Hobby. Was hält Sie motiviert?
LIEBE ZUR RASSE ist bei mir der Antrieb. Wenn Sie nicht bereit sind, mit allen vorgenannten Problemen Ihr Hobby zu betreiben, werden Sie bald das Interesse verlieren und die Rasse verlassen.

Wo Sie Zeuge von dem Aufkommen und Aussterben so vieler Generationen der Boxerrasse sind, glauben Sie dass wir Züchter während dieser Zeit schwerwiegende Fehler begangen haben?
Ich denke, es gibt zu viele Leute, die sich nicht über den Verlauf der Rasse bewußt sind, Auf- und Abstiege hängen davon ab, in wieweit der Genpool nachgefüllt wurde. Dass größte Mißgeschick passiert, wenn die Züchter die Lage nicht erkennen. Unglücklicherweise passiert dies viel zu oft, viele Züchter in Deutschland sind Anfänger. Sie geben zu schnell auf, wenn es keinen Erfolg gibt.

Man kann relativ leicht erkennen, dass sich die Boxerrasse in den letzten zwanzig Jahren signifikant entwickelt hat, so stark, dass viele Leute meinen, dass die Sieger von damals heute keine Chance im Ring hätten, wenn sie gezeigt würden. Warum? Können wir vom Fortschritt der Rasse sprechen oder sollten wir meinen, dass wir uns vom Original-Standard entfernt haben?
Ich meine, dass sich die Rasse in den letzten 2O Jahren enorm vom Originalstandard weg entwickelt hat. Der ÜBERTYPISCHE Boxer der ZWEI EXTREME ist in der MEHRHEIT; der Boxer mit wohl proportionierten Merkmalen ist die Ausnahme, deshalb hat er meistens keine Chance. Schuld daran sind die Richter und Züchter, aber ich befürchte, dass sie die Veränderungen nicht realisieren, einfach weil sie in der damaligen Zeit nicht dabei waren.

Wir sind schon alle Zeuge geworden, dass sehr oft persönliche Bevorzugung eines Züchters oder einer Gruppe von Züchtern dramatisch auf die Rasse Einfluß nimmt. Finden Sie, dass persönliche Bevorzugungen Platz in der Boxerzucht haben und nur einen Teil der Kreativität der vielen Züchter ausmachen? Auf der anderen Seite meinen Sie, dass persönliche Bevorzugung und Einflußnahme in der Rasse keinen Platz haben, weil sie oft die Rasse in die falsche Richtung führen?
Manche Einwirkungen durch „Machenschaften“ gewisser Züchter können die Menge aufbringen, aber grundlegend können sie die Rasse nicht tief greifend verändern. Das Züchten und Richten wird immer bis zu einem gewissen Maß subjektiv sein. Daher wird ein Teil persönlicher Kreativität toleriert, solange wir den Grundsätzen des Standards folgen.

An welche bestens vererbende Rüden erinnern Sie sich?
Abgesehen von HOT CHESTNUT gab es von früher die beiden CARLO HENNINGSHOF und CARLINO NASSAU-ORANIEN. später kamen TECK und DAVID D´EL COLLE D´INFINITO und PERICO DU VAL D´EUROPE, alles dominante Zuchtrüden, herausragend in Kopftyp, im Gebäude haperte es hier und da an Kraft in der Hinterhand.

Wenn FRAU STOCKMANN und andere große Züchter die heutige Rasse sehen könnten, glauben Sie, sie wurden die heutige Zuchtrichtung gut heißen?
Schon während der Sechziger wollte FRAU STOCKMANN die Rasseentwicklung nicht mehr kommentieren, vermutlich würde sie heute keine Chance sehen, zu normalen Proportionen und Verhältnissen zurückzukommen.

Bremen, 02/05/04

Aus dem Englischen übersetzt am 27/11/06
Karin Rezewski

 
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