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Karin Rezewski

 
Auszug aus EBZ-Interview; 2004 (Teil 1)
genehmigt von Alexandra Gav, Eurozone Boxers
 
Witherford Hot Chestnut
Donna vom Schütting
Hinnerk vom Schütting
Us-Ranus v.d. Reiterstadt Verden
Carlo v. Henningshof
Carlino v. Nassau Oranien
Perico du Val d'Europe

Welche Hunde waren ihre besten und wichtigsten, wann sind sie geboren und wie kam ihnen die Idee, mit ihnen zu züchten oder sie zu kaufen?
Der wichtigste Hund, den ich je besessen habe, war definitiv HOT CHESTNUT. Ich musste schwer kämpfen, dass seine Verdienste anerkannt wurden.
Seine elegante Erscheinung war anders als die der damaligen Boxer in Deutschland.
Zu allererst setzten wir ihn für unsere eigenen Töchter von Camma ein, das Resultat waren zwei weitere Sieger, DONNA und HINNERK VOM SCHÜTTING: Weite Reisen über ganz Europa waren notwendig, damit er Internationaler Champion und Weltsieger 1965 wurde.
Hot Chestnut war schon 5 Jahre alt, als er schließlich den deutschen Bundessieger-Titel gewann. Erst jetzt benutzten ihn einige Züchter, vornehmlich ausländische.
Der beste Boxer, den ich je gehabt habe, war CH US-RANUS VON DER REITERSTADT VERDEN.
Wieder war es Glück, als ich ihn bei unseren Freunden, den Wildeboers, aussuchte und im zarten Alter von 8 Wochen zu mir holte.
Anfangs die gleiche Geschichte. Es gab nur ein paar Leute, die zu diesem überzeichneten jungen Rüden Vertrauen hatten, der offen gesagt, bei seinem Anblick immer Gänsehaut bereitete.
Er hatte sich ganz gleichmäßig zu einem eindrucksvollen Boxer entwickelt - trotz seiner starken Weißzeichnung und schwachem Strom auf rotem Untergrund.
Er wurde schon verhältnismäßig früh anerkannt, Über drei Jahre (1969-197O-1971) gewann er im BK den Titel des Jahressiegers, er wurde holländischer, österreichischer Champion und Internationaler Champion.
Auf der “Winner-Show“ in Amsterdam konnte er als Rassebester seiner Gruppe gewinnen und darüber hinaus RESERVE BEST-IN-SHOW werden.
Genauso lief es auf der Internationalen Rasseschau in Kopenhagen, wo er den damals erfolgreichsten Gruppensieger Skandinaviens bezwang, einen herrlichen Riesenschnauzer.
Letztendlich wurde dieser sich stets herrlich präsentierende Boxer wieder Zweitbester Hund aller Rassen. Da US-RANUS einer Auskreuzung entstammte (HOT CHESTNUT/CHAUKE VOM SCHÜTTING) konnte seine Nachzucht nicht die Spitzenqualität erreichen, die sein Vater HOT CHESTNUT zurück gelassen hat. Es war die kluge Linienzucht auf erbstarke Vorfahren, die HOT CHESTNUT zu einem der besten Vererber in der Rasse gemacht hat.

Welche Leute haben Sie in ihren Anfängen beraten? Gibt es besondere Menschen, denen Sie für Ihre Hilfe oder Inspiration dankbar sind?
Während meiner ersten Jahre bei den Boxern brachte mich Herr LEO HELBIG auf viele Ausstellungen in ganz Europa um damit meine Augen zu trainieren. Er ließ mich die guten Punkte herausfinden, damit ich zwischen einem guten Hund und einem schlechten unterscheiden konnte. Herr HELBIG kannte die Rasse genau, er war für mich ein großer Lehrmeister
Seit meinem ersten Besuch in England im Jahre l96O bis in die heutige Zeit, habe ich immer von PAT WITHERS gelernt, besonders von ihrer Art wie sie ihre Zuchtprinzipien verfolgt und nach 5O Jahren ihre Zucht mit ihrem einzigartigen WITHERFORD Typ prägt. Im Jahre l966 ermutigten mich Herr HELBIG und PAT WITHERS Richter für Boxer zu werden. Inzwischen habe ich bis zum Ende meiner Karriere Ende 2OO3 annähernd 17OOO Boxers gerichtet, über ganz Europa, in USA, Brasilien, Südafrika und Australien.

Welche Hunde waren nach Ihrer Meinung für die Entwicklung der Rasse kritisch, welche Tiere brachten beste Qualitäten ein? Welche Hunde haben der Zuchtentwicklung einen schlechten Dienst erwiesen?
Es gibt immer Paarungen, die besser nicht unternommen worden wären. Der Haken ist, dass die Leute nicht genau wissen, was hinter ihren Zuchttieren liegt. Dieses betrifft besonders die Anfänger. Heute gibt es viele gute Linien in Europa mit einer bewährten Erbkraft, die auf CARLO HENNINGSHOF und CARLINO NASSAU-ORANIEN zurückgehen.
Einige Verbindungen aus dieser Zeit haben sicherlich übertypische Hunde hervorgebracht, die mit engen Nasenlöchern oder anderen Nachteilen wie Hasenscharten oder Kryptorchismus behaftet sind. Diese Fehler kamen hauptsächlich von Paarungen, bei denen Inzucht mit fehlerhaften Vorfahren praktiziert wurde.

Welche Qualitäten halten Sie für die Rasse am wichtigsten Mit welchen Mängeln muß ein Hund behaftet sein, wenn Sie ihn nicht mehr als Boxer betrachten?
Wir können uns nicht erlauben, die Charakteristiken des Bulldog außer Acht zu lassen, solange wir den ausdrucksvollen Kopf und die Knochenstärke verlangen, aber zur gleichen Zeit sollten wir nach einem gewissen Grad an Veredelung zur Hervorkehrung des Adels trachten. Deshalb wird die Rasse auf einem sehr schmalen Grat geführt, die Züchter sind für den Erfolg verantwortlich. Ich persönlich kann keinen flachen Kopf mit zu leichtem Fang vertragen, genauso wenig ein Gebäude mit zu leichten Knochen, Eigenschaften, die den Gesamttyp beeinträchtigen und keinen guten Boxer ausmachen. Das Gebiss mit zu viel Vorbiss, welches die Zähne zeigt und gar verkantet ist, sollte bestraft werden, weil es sich nicht für den Hundesport eignet. Darüber hinaus wird der typische Boxer- Ausdruck dadurch sehr beeinträchtigt. Auch ein hochgezogener Rücken stört das Gesamtbild.

Was meinen Sie waren die Schwierigkeiten in der Rasse, als Sie anfingen? Welche Sorgen gibt es jetzt? Wie hat sich die Rasse in den letzten Jahren entwickelt - verbessert oder verschlechtert?
Eine Rasse ist ständig in Bewegung, es gibt Höhepunkte und Tiefen, je nachdem wie sie von den Richtern und Züchtern kontrolliert wird. Als wir zu Beginn der fünfziger Jahre anfingen, war der Boxer ein starker, wuchtiger Hund, dem es ein wenig an Eleganz und Adel fehlte. Ich denke am Ende des zweiten Weltkrieges hatte ein Ausverkauf der besten Boxer nach LUSTIG stattgefunden und was zurück blieb war Mittelmaß. Darüber hinaus fand der Qualitätsabfall infolge einer vom BK gesteuerten Ächtung von Weißen und weißen Abzeichen statt. Glücklicherweise wurde lO Jahre später dieser Bann aufgehoben und die Rasse in Deutschland begann wieder aufzublühen.
Die Köpfe entwickelten sich zu ausdrucksvollen, fein geschnittenen Boxerköpfen, insgesamt zeigten die Hunde mehr Eleganz, eine gewisse Klasse. Die Züchter und Klubs müssen akzeptieren, dass wir zum Standardboxer Merkmale des
Buldog benötigen. Daher wird es immer das Problem „Weiß“ geben, es liegt auf der Hand, dass dieses kontrolliert .
werden muss. Unter dem Einfluss von HOT CHESTNUT konnte die Rasse stark verbessert werden. Der springende Punkt ist, dass die Zucht in Deutschland durch viele Restriktionen auf einer schmalen Basis lebt, wodurch die Zuchtmöglichkeiten beträchtlich eingeschränkt werden. So können sehr schnell sehr enge Verpaarungen passieren, die nicht nur Pluspunkte hervorbringen. Während der achtziger Jahre begann die Zucht erheblich zu stagnieren, als wir große Schwierigkeiten mit Atmungsdefekten und Kryptorchismus bekamen. Glücklicherweise folgten die deutschen Züchter der Empfehlung, ihre Hunde mit einigen vorzüglichen Rüden anderer Länder zu kreuzen, so dass es jetzt wieder ein paar gute deutsche Boxer gibt. Unglücklicherweise werden diese Auskreuzungen wegen unserer Zuchtrestriktionen auf wenige ausländische Rüden beschränkt. So dass der deutsche Bestand im Wettbewerb mit anderen kontinentalen Ländern irgendwie hinter den italienischen und französischen Boxern zurück liegt. Überdies empfiehlt der Boxer Klub neuerdings Schätzung der Zuchtwerte eines jeden Tieres per elektronischer Datenerfassung. Dieses bedeutet eine zusätzliche Einschränkung des Bestandes und der Zuchtmöglichkeiten.

Wer waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten Leute in der Entwicklung der Boxerrasse?
Definitiv FRAU STOCKMANN. Der Werdegang der Dreiziger Jahre von dem ursprünglich kleinen, schwerfälligen Hund zu dem hochgestellten, eleganten LUSTIG war der bedeutendste Prozess der jemals in der Rasse Boxer erreicht wurde. Ohne FRAU STOCKMANN hätte die Entwicklung weltweit nicht so fortschreiten können. Dann verdient PAT WITHERS tiefste Hochachtung, dass sie uns WITHERFORD HOT CHESTNUT geschickt hat, der zu dem zweiten bedeutenden Fortschritt der Rasse auf unserem Kontinent geführt hat.

Wie sieht Ihr idealer Boxerkopf aus? Anerkennen Sie das 1:2 Verhältnis als ideal oder bevorzugen Sie den mehr „modernen“ Kopf? Welche Gefahren entwickeln sich bei den „klassischen“ Proportionen? Welche schwerwiegenden Fehler herrschen heutzutage beim europäischen Boxer?
Der ideale Boxerkopf sollte im Verhältnis 1:2 Fang/Oberkopf stehen. Der „moderne“ europäische Kopf ist häufig übertrieben und wird von gesundheitlichen Problemen wie zu engen Nasenlöchern und zu langer Zunge begleitet. Extreme sind Hasenscharten und Wolfsrachen. Die Schwierigkeit ist. dass die europäischen Züchter über die Jahre an die runden, starken Köpfe gewöhnt wurden, je mehr Fang um so besser. Natürlich wissen wir aus Erfahrung, dass der Kopftyp schnell verloren geht, wenn wir mit Köpfen züchten, die „Normaltyp“ zeigen. Daher müssen wir von Zeit zu Zeit einen Partner mit einem stärken Kopf einsetzen. Aber die Züchter dürfen nicht in die Falle gehen und von zwei übertriebenen Köpfen züchten. Dieses führt zu Problemen und einem irgendwie brutalen Ausdruck.

Was halten Sie von übertypischen Hunden? Kann der moderne Kopf das Verhältnis 1:2 halten und dennoch im Ring konkurrieren? Beispiel?
Der Kopf mit dem Verhältnis 1:2 kann manchmal ausschlaggebend sein, dass der Hund nicht platziert wird, wenn viele übertypische Hunde im Ring stehen. Hier sind die Richter gefordert, nicht die übertypische Erscheinung vor einen Hund mit normalen Proportionen zu stellen. Aber meistens gewinnt der übertypische Hund. Die Leute sind sich nicht bewusst, dass ein grundsätzlicher Unterschied zu machen ist zwischen den Prinzipien Zucht und Ausstellung Auf der Ausstellung soll der am besten balancierte Hund mit „normalen“ Standardproportionen gewinnen, die Zuchtregeln sind etwas anders. PERICO ist hier eine Ausnahme, die Züchter können auf seinen klassischen Kopf setzen. Deshalb schätze ich ihn hoch ein.

Welche Größen bevorzugen Sie beim Boxer, Rüden und Hündinnen?
Die Standardmaße lassen viel Spielraum, damit die beste Balance in der Struktur erreicht wird. Ich würde einen hochgestellten Rüden, der l-2 cm größer als der Standard ist, nicht ausschließen, solange er insgesamt wohl balanciert ist. Natürlich liegt der „Windige“ Boxer nicht mehr im Standard, genauso nicht der Miniatur-Boxer.

Wie erkennen Sie ein gutes Gangwerk und wie wichtig ist es für Sie?
Gangwerk ist äußerst wichtig, weil es jeden Mangel in der Struktur aufdeckt. Wenn die Hunde wohl balanciert sind, ist der Gang geschmeidig, weit nach vorn reichend mit entsprechendem Schub von hinten, mit gerade nach vorn gerichteter Oberlinie.

Welche Fehler können Sie vergeben bei einem ansonsten typischen Exemplar?
Ich kann kosmetische Fehler ertragen, helle Augen und unregelmäßige Zahnstellung.

Wie stehen Sie zum Temperament des Boxers ? Was ist ideal für Sie? Was ist wichtiger - Aussehen oder Wesen?
Der Boxer sollte selbstsicher sein, fidel und freundlich, doch in „gefährlicher Situation“ furchtlos. Neulinge versuchen oft die Boxerszene auseinander zu bringen, indem sie versuchen, mit der Frage zwei Parteien zu schüren, was ist wichtiger, Schönheit oder Leistung. Dieses Argument kommt oft von Leuten, deren Boxer nicht der große Gewinner ist. Ein guter Boxer sollte immer einen guten Charakter mit einem typischen Äußeren vereinen.

 
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© Karin Rezewski 2005, created by Dunja